Einfach abnehmen ist gar nicht so einfach
Hier folgt in kappen Sätzen das, was uns die meisten Diätbücher berech-
nenderweise verschweigen - Abnehmen ohne Ausdauerbelastung geht
fast nicht. Und wer Ihnen erzählt, daß Sie so ganz nebenbei beim Spazie-
rengehen oder Krafttraining im Fitneßstudio abnehmen können, der will
Ihnen faulen Fisch andrehen. Vieles wird für unser Verständnis so einfach,
wenn man sich biochemische Vorgänge im Körper stark vereinfacht und
mit der Lupe vors Auge führt. Einfach, ganz einfach gesagt, ist des Pudels
Kern beim Abnehmen: Wenn Sie weniger, vor allem energieärmer essen,
dann liefern unsere inneren Fettransporter weniger Energie zu den winzi-
gen Muskelkraftwerken, wo sie zur Energiegewinnung verbrannt werden.
Wenn Sie dazu Sport treiben - Laufen ist besonders nutzbringend - dann
müssen diese Muskelkraftwerke unter Volldampf arbeiten. Weil aber nicht
genügend Brennstoff durch die Transporter von der Leber in die Muskel-
zelle transportiert wurde, muß verstärkt auf die in den Fettdepots gespei-
cherten Energiequellen zurückgegriffen werden - die Fettdepots um Bein,
Bauch und Po herum öffnen jetzt ihre Schleusentore, und gespeicherte
Energie wird in arbeitende Energie umgesetzt. Und je öfter Sie den Kraft-
werken durch ausdauernde Belastung so richtig einheizen und den Brenn-
stoff - das Essen - dabei knapp halten, desto mehr Energie wird aus den
Fettzellen herausgeholt. Nur: einfach gesagt ist noch lange nicht einfach
getan. erst wenn Ihr Organismus durch entsprechendes Training gelernt
hat,dieses unerschöpfliche Energiereservoir anzuzapfen, können Sie lang-
sam, sehr langsam abnehmen. Gleichzeitig ist es auch immer notwendig,
daß durch reduzierte Nahrungsaufnahme beziehungsweise durch fettarme
Kost die täglich frische Fettzufuhr verringert wird. Denn die Kraftwerke
bedienen sich immer zuerst aus dem Angebot der freien Blutfette. Also:
Lassen Sie Ihre Fettzellen am Hungertuch nagen, wenn Sie beim Laufen
abnehmen wollen.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich will Ihnen weder den Appetit ver-
derben noch eine Ernährung aufdrängen, die nicht nach Ihrem Geschmack
ist; und wenn Sie weiterhin lieber im Schlaraffenland schlemmen und ne-
benbei ein wenig joggen wollen, dann machen Sie das bitte. Ich möchte Ih-
nen lediglich sichtbar machen, daß natürliches Abnehmen nur langsam, wirk-
lich langsam möglich ist - und gesund obendrein. Für den Fall, daß Sie dies
möchten, habe ich eine Rechnung aufgemacht: Ein Kilo Körperfett enthält
etwa 7000 Kalorien (kcal.). Will man dieses Kilo weghaben, dann gibt es ein
paar Möglichkeiten; zwei davon zeige ich Ihnen.

Die erste ist eine theoretische Lösung, die nur helfen soll, die Sache zu erhel-
len:Dieses eine Kilo Körperfett kann man an nur einem Tag wegbekommen,
wenn man nichts ißt, gar nichts, und etwa 11 bis 12 Stunden ohne Unterbre-
chung joggt. Pro Stunde werden dabei 600 Kalorien aus den Fettdepots ge-
holt, wenn mit 9 Stundenkilometer gelaufen wird. Logischerweise wäre dann
nach 100 Kilometern dieses eine Kilo weg - hat Ihnen das schon mal jemand
so deutlich gesagt?

Die zweite Möglichkeit dagegen ist machbar, wenn auch anstrengend genug.
Unser Ziel hierbei: das Kilo soll in einer Woche runter: Pro Tag muß dem-
nach ein Defizit von 1000 Kalorien erreicht werden. Die Hälfte davon könnte
über den Kopf, durch eine be-wußte Ernährung eingespart werden, indem
statt der durchschnittlichen 2.500 Kalorien beim Mann) nur 2000 aufgenom-
men werden - da nagen die Fettzellen bereits am Hungertuch, während man
selbst noch genug zum Schmausen hat. Die restlichen 500 Kalorien holt man
sich aus den Fettdepots, indem man 45 Minuten joggt und dabei etwa 9 Stun-
denkilometer schnell ist. Sie laufen dann mit 9 Stundenkilometer, wenn Sie
einen Kilometer in knapp 7 Minuten zurücklegen - das ist relativ langsam.
Das Problem ist also nicht das Tempo, sondern die Tatsache, daß Sie dies
jeden Tag machen müßten. Auch dieses Beispiel ist daher jetzt noch eher
theoretischer Natur. Mir ging es nur darum, Ihnen einen Fingerzeig dafür
zu liefern, daß Sie, was das Abspecken betrifft, keine Wunder erwarten dür-
fen, obwohl ... Obwohl joggen und etwas weniger essen die einfachste Mög-
lichkeit ist, Pfunde zu verlieren. Schweiß und Willenskraft müssen selbstver-
ständlich investiert werden - und vor allem Geduld, Geduld und nochmals
Geduld.